Samstag, 29. Dez. 2007

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Der gebürtige Petersburger Serge von
Bubnoff (1888-1957) wurde im November 1957
auf dem Friedhof der Brüdergemeine in
Niesky beerdigt. Repro: P. Krzonkalla |
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Ein Staatsbegräbnis wollte der Christ nicht
Von Peter Krzonkalla
Serge von Bubnoff, einer der
bekanntesten deutschen Geologen, ist vor 50 Jahren in Niesky
beerdigt worden.
Seit einem halben Jahrhundert ist
der Friedhof der Evangelischen Brüdergemeinde in Niesky
die letzte Ruhestätte eines der größten deutschen,
international hoch anerkannten Geologen: Serge von Bubnoff.
Sein Begräbnis am 22.November 1957 wurde vermutlich nur
von wenigen Eingeweihten zur Kenntnis genommen. Bubnoff war
am 16.November 1957 völlig überraschend an einem
Herzinfarkt in Berlin verstorben. Das Neue Deutschland
vom 20.November 1957 brachte die Nachricht relativ unauffällig
und in schlichter Form.
In Petersburg geboren
Serge von Bubnoff wurde als Sohn eines
Arztes und Staatsrates am 15.Juli 1888 in Petersburg geboren.
Er wurde christlich erzogen, ging in Petersburg aufs Gymnasium
und erwarb dort das Abitur. Da sein Vater bereits 1889 starb,
siedelte die im Schwarzwald geborene Mutter 1906 mit ihren
drei Söhnen nach Heidelberg über. Serge von Bubnoff
studierte in Freiburg/Breisgau Geologie und promovierte dort
1912.
Infolge seiner angeborenen Schwerhörigkeit
blieb er vom Kriegsdienst verschont. Nach Tätigkeiten
als wissenschaftlicher Assistent und Mitarbeiter an verschiedenen
Institutionen habilitierte sich Bubnoff an der Universität
Breslau, wo er 1925 zum Ordentlichen Professor für Geologie
und Paläontologie ernannt wurde. Seine Antrittsvorlesung
trug den Titel Philosophie der Geologie. Seine
Auffassungen dazu veröffentlichte er später. 1929
wurde Bubnoff an die Universität Greifswald berufen.
1950 trat er die Nachfolge von H. Stille als Direktor des
Geologisch-Paläontologischen Instituts der Humboldt-Universität
zu Berlin an und wurde dabei gleichzeitig Direktor des Geotektonischen
Instituts der Akademie der Wissenschaften zu Berlin.
Mitglied mehrerer Akademien und wissenschaftlicher
Gesellschaften, vielfach geehrtunter anderem war er
Nationalpreisträger 1.Klasse der DDR 1953 und erhielt
1956 die Ehrendoktorwürde der Universität Hannover,
hinterließ Bubnoff ein wissenschaftliches Werk von mehr
als 5000 Druckseiten. Zu seinen Höhepunkten als akademischer
Lehrer gehörte ein Vortragszyklus in russischer Sprache
an der Moskauer Lomonossow-Universität (1956) vor einem
Auditorium von mehr als 1000 Zuhörern.
Kolloquium zum 50. Todestag
Das 1.Gedenkkolloquium für Serge
von Bubnoff fand am 29.November 1957 an der TU Berlin statt.
Die Geologische Gesellschaft der DDR gedachte im April 1958
auf ihrer 5.Jahrestagung ihres verstorbenen Ehrenvorsitzenden
und gab die Stiftung der Serge-von-Bubnoff-Medaille bekannt,
die seitdem für langjährige Verdienste um die Geologie
verliehen wird. Zu seinem 70.Geburtstag erschien 1957 eine
Gedenkschrift für ihn. Aus Anlass seines 50. Todestages
veranstaltete die Leibniz-Sozietät der Wissenschaften
zu Berlin e.V. ein Kolloquium zur Thematik Probleme
der Geologie. Mehrere ehemalige Schüler Bubnoffs
trugen zum Vortragsprogramm bei.
Mitglied der Brüdergemeine
Dass Serge von Bubnoff auf dem Friedhof
der Evangelischen Brüdergemeine Niesky beerdigt liegt,
wurde erwähnt und ist auch in der Fachliteratur vermerkt.
Doch die näheren Umstände blieben offen und dürften
bisher nur wenigen Eingeweihten vertraut sein: Bubnoff und
seine Frau wollten einem DDR-Staatsbegräbnis aus dem
Wege gehen. Sie waren Christen. Serge von Bubnoff war bereits
in Petersburg, später in mehreren deutschen Orten Mitglied
der Evangelischen Brüdergemeine, in der er sich auch
trauen ließ (1921, Neudietendorf, Thüringen). In
Berlin gehörte er zuletzt der Evangelischen Landeskirche
an, Pfarramt Berlin-Niederschönhausen. Denn die Evangelische
Brüdergemeine war nur im Westteil Berlins vertreten.
Seine Frau Eleonore, ihre Mutter Magda Schmitt, geb. Krüger
(gestorben 1941, beerdigt auf dem Gottesacker in Niesky) sowie
ihre Schwester Dora Schmitt (in Kleinwelka lebend) waren ebenfalls
Mitglieder der Evangelischen Brüdergemeine.
Serge von Bubnoff war nach neuester Recherche
mehr als nur Humanist, wie einige seiner Wegbegleiter und
Zeitgenossen schrieben. Humanisten im damaligen Sinne und
auch heute noch (Humanistische Union) sind in der Regel Atheisten.
Eine andere Gesinnung spricht aus den Zeilen von Bubnoffs
Witwe: Die Tage, die Sie mir geschenkt haben, waren
eine wahre Andacht und Feier für uns, würdiger konnte
mein lieber Mann gar nicht beigesetzt werden. (Dankesbrief
an Pastor H. Erbe).
Quelle: Bibliografische Unterlagen aus
dem Archiv der Evangelischen Brüdergemeine in Niesky.