Aktuelles
Monatsplan
Tageslosung
Konzerte
Bilder
Presse
Gemeindeleben
Erkundungen
Historisches
Archiv
Adressen
Links
Sitemap
Artikel der Sächsischen Zeitung  

 

Dienstag, 11. Mai. 2010

Nieskyer Pfarrer ist ein Drahtkünstler


Von Katja Zimmermann

Peter Vogt biegt schon seit seiner Kindheit Draht. Seine Figuren bewegen sich. Manche haben sogar eine Gangschaltung.


Mit räumlichem Vorstellungsvermögen kreiert Pfarrer Peter Vogt aus Niesky seine Drahtgeflechte. Eine Zeichnung dazu braucht er nicht anzufertigen, alles passiert bei ihm im Kopf. Im Juni will er seine drahtigen Werke in der Sparkasse Niesky ausstellen. Foto: Sandra Tietz

Zwei winzige Händchen von der Größe eines kindlichen Fingernagels klatschen gegeneinander. Sie sind aus dünnem Draht und ragen aus einem komplexen Geflecht. Bewegt werden sie von einer entsprechend filigranen Kurbel, die Peter Vogt, Pfarrer in der Nieskyer Brüdergemeine, vorsichtig bewegt. Der 42-Jährige baut seit seiner Jugend solche bewegbaren Draht-skulpturen. Dementsprechend vielseitig sind auch die etwa 40 Exemplare, die sich in seinem Büro angesammelt haben.

Fast alle Teile werden mit einer Kurbel bewegt. Für eine Skulptur jedoch nutzt er Sonnenenergie, um die Händchen klatschen zu lassen. Peter Vogt erklärt lächelnd: „Mein Sohn und ich haben einmal in einem Berliner Elektronikcenter diese Solarzelle hier entdeckt und beschlossen, sie einzubauen.“ Gesagt, getan. Als „Schlechtwettervariante“ brachten sie daneben übrigens eine Batterie an. Eine Botschaft oder künstlerische Aussage will der schlanke Mann mit dem Schnauzbart durch seine Kunst nicht vermitteln. „Mich interessiert eher das technische Problem“, erklärt er.

Gebilde ohne Zeichnung

Für einen Drahtskulpturen-Laien ist gar nicht zu begreifen, wie der talentierte Hobbybastler diese komplexen Gebilde aus verschiedenen Drähten ohne Zeichnung hinbekommt. Die einzige Erklärung: räumliches Vorstellungsvermögen vom Feinsten. Seine Frau Jill meint: „Er ist sehr kreativ. Diese Kunst zeigt, wie komplex er denkt.“ Peter Vogt selbst wiegelt ab: „Es hat alles seine Logik, wie es funktioniert.“ So löse zum Beispiel bei den vier um ein Quadergeflecht justierten Händen, die im Wechsel gegenseitig abklatschen, ein Teil den Klatschmechanismus aus, ein anderes koordiniere die Handbewegung. Die meisten seiner kinetischen Figuren hat der Familienvater sogar mit einer Gangschaltung versehen. Lachend erklärt er: „Damit kann ich das Klatschen verdoppeln, verdreifachen oder vervierfachen.“

Angefangen hat seine Leidenschaft mit etwa 13 Jahren. „Der Schwarzwald, wo ich aufgewachsen bin, ist ja für seine mechanischen Spieluhren – beispielsweise die Kuckucksuhr – bekannt.“ Nach einem Museumsbesuch habe er selbst mit Draht experimentiert und seitdem habe ihn das Hobby nicht mehr losgelassen. Heute finde er zwischen Arbeit und Familienleben leider nur noch selten Zeit zum Basteln. Aber wenn doch, sei es sehr entspannend. „Wenn andere Leute bei einer Tagung stricken, biege ich Draht“ – der Pfarrer zeigt auf ein kleinteiliges Gebilde, in dem unzählige Händchen durch die Kurbelbewegung mit winzigen Stimmzettelchen im Wechsel abstimmen. Mit Hilfe eines Hebels kann eine einfache oder Zweidrittel-Mehrheit eingestellt werden.

Etwa 20 Stunden braucht Peter Vogt für so eine Drahtskulptur. Meistens verwendet er Eisen- manchmal jedoch auch Kupfer- oder goldbeschichteten Draht. Die größten Exemplare hat er sogar aus Drahtkleiderbügeln zurechtgebogen. Für einen festen Stand justiert er die fertigen Stücke auf Holz oder auf mit Bastelgips ummantelten Pappkartons. Für Tochter Anna (14) hat er häufig Skulpturen gebaut, als sie noch klein war. Sohn Christian (10) baute schon begeistert an einem Stück mit.

Viele verschiedene Stücke sammeln sich auf dem breiten Schrank im Büro: Ein „Schlagendes Mutterherz“. Sich wie im Wind bewegende Muscheln von der nordamerikanischen Atlantikküste. Zwei Lippen aus Fimo (Suralin), durch die eine Zunge herausgestreckt wird. Eine bunte Glasperle, die sich um sich und hin und her bewegt.

Vorherrschend sind jedoch die Hände. Einmal prallen Fäuste durch die Kurbelbewegung gegeneinander. Einmal werfen sich „Streitende Hände“ Beschuldigungen vor. Jill Vogt verrät: „Manchmal soll ich immer wieder eine bestimmte Handbewegung machen, während Peter mich beobachtet.“ Die Bewegung setzt dieser dann in seiner neuen Skulptur um und tüftelt so lange, bis sie fast menschlich wirkt.