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Artikel der Sächsischen Zeitung  

 

Montag, 18. Mai 2009


In der Diakonissenanstalt Emmaus Niesky war Melania Mrema Kyando Buchautorin aus Tanzania zu Gast. Sie sprach dabei sehr offen über die Immunschwäche HIV und den Krankheitsausbruch AIDS, sowie die Hilfe der Christen in Tanzania. Dr. Rüdiger Mieske und Pfarrerin Luise Plock begleiteten sie in der Region..

Wie Kyando über den Tod im Blut spricht
Von Laura Ziegler

Melania Mrema Kyando hat in Niesky aus ihrem Leben in Tanzania berichtet. Auch die Aufklärung über HIV und AIDS gehört dazu.

Melania Mrema Kyando hält kurz inne und blickt auf die kleine Spendenbox. Erstaunt nimmt sie zur Kenntnis, dass selbst hier in Niesky Geld für ein Hospiz in ihrem Heimatland Tanzania gesammelt wird. Erklärend und ein wenig stolz nickt ihr Rüdiger Mieske zu. Der pensionierte Arzt, der selbst in dem afrikanischen Land tätig war und seitdem die Kontakte zwischen der hiesigen Brüdergemeine und dem entfernten Kontinent pflegt, führt seinen Gast durch das Nieskyer Emmaus.

Anderen Kranken Mut machen

Für fünf Wochen weilt Melania Mrema Kyando in Deutschland und der Schweiz, um über ein Thema zu sprechen, das hier teilweise, vor allem aber in ihrer Heimat Tanzania als tabu gilt: AIDS. Von ihrem bereits 2004 verstorbenen Mann infiziert, ist Kyando nun unterwegs, um anderen Kranken Mut zu machen und das Schweigen zu brechen. Die Kraft dafür schöpft sie aus ihrem Glauben, der ihr hilft, Widerstand gegen die vernichtende Krankheit zu leisten.

Melanina Mrema Kyando ist im Süden ihres Heimatlandes als Leiterin der Frauenarbeit bei der Brüder- Unität tätig. „Ich arbeite an einer Kampagne mit, die die Bevölkerung dazu aufruft, sich auf das HIV-Virus testen zu lassen“, erklärt sie. Ihre Erfahrungen sammelten sie und weitere 20 Frauen für eine Schreibwerkstatt in der Heimat. Nachzulesen sind die Lebensgeschichten in dem Buch „Zukunft braucht Erinnerung – Frauenleben in Tanzania“, das sie auch den Deutschen näher bringen möchte. Dabei ist es hier wie dort auch heute keinesfalls üblich, derart offen mit dem eigenen Schicksal umzugehen. „Auf dem YMCA- Tag 2007 in Nairobi habe ich Frauen getroffen, die über ihre AIDS-Erkrankung sprachen.

Nachdem ich selbst unter schweren Depressionen litt, entschloss auch ich mich, selbst aktiv zu werden“. Die gläubige Christin ist überzeugt davon, dass es selbst in Afrika nicht an Aufklärung und Informationsfluss zum Thema HIV mangelt. Die Menschen seien vielmehr zu ängstlich, um sich mittels Tests Gewissheit über ihre gesundheitliche Situation zu verschaffen. Während ihres Deutschlandsaufenthalts wird Melania Mrema Kyando von der Pfarrerin Luise Plock aus Baden-Württemberg begleitet, die für 15 Jahre in Tanzania lebte. Sie entschied sich, die langjährige Bekannte ins ferne Europa einzuladen. Bereits am Freitag waren beide Frauen zu Gast im Gymnasium Herrnhut. In einer offenen Diskussion wurde für Luise Plock deutlich, „dass junge Menschen eher bereit sind, über das Thema AIDS zu sprechen als ältere“.

Tolle deutsche Klischees

An diesem Wochenende zählten neben diesem Informationsbesuch im Krankenhaus unter anderem Begegnungen im Pflegeheim Niesky und in der Brüdergemeine Kleinwelka zu den Programmpunkten. Was die Frau aus Tanzania am meisten an Deutschland imponiert, sind die Pflege der Umwelt, sowie die Geschichte der Brüdergemeine und deren Aufarbeitung in der Gegenwart. Doch kaum ein Besucher wird wohl an dem standhaftesten aller Klischees vorbeikommen. So bemerkt auch Melania Mrema Kyando die gute Organisation und straffe Zeiteinteilung der Deutschen. „Ich finde dies jedoch durchaus positiv, da man so die Zeit optimal nutzen kann, um sein Land voranzutreiben“, meint sie.

Während ihrer Reise begegnen ihr die Menschen unterschiedlich – während viele einfach Mitleid äußern, zeigen andere Unsicherheit. Und nicht wenige sind beeindruckt von ihrer Offenheit. „Heute fällt es mir nicht mehr schwer, fast schon leicht, über meine Krankheit zu sprechen, da ich Anderen helfen möchte“, erklärt Melania Mrema Kyando. Dann begibt sie sich zur nächsten Station ihrer Reise, denn ihre Begleiter drängen – nach einem kurzen Blick auf die Uhr ...