Dienstag, 18. Dez. 2007

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1908/09 entstanden an der Bahnlinie Breslau-Falkenberg
neue Fabrikgebäude. Die alte Lacksiederei
hinten rechts wurde im vorigen Jahr abgerissen.
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Lacke aus Niesky veredeln auch erzgebirgische Holzkunst
Von Annett Preuß
Seit 220 Jahren behauptet sich
Höpner Lacke am Markt. Ein Däne hat 1787 den Grundstein
gelegt für das Unternehmen der Brüderunität
Herrnhut.
Der Name Höpner hat im Erzgebirge
einen guten Klang: Holzkünstler veredeln seit Jahren
mit Speziallacken aus Niesky Nussknacker, Räuchermännchen
und Engel Zierrat, der in diesen Tagen so manches Wohnzimmer
schmückt. Die Zulieferung für Raum- und Tafelschmuck
und die Spielzeugindustrie ist ein wichtiger Teil des Sortiments,
mit dem sich die kleine Firma auch im 220. Jahr ihres Bestehens
neben Branchenriesen behauptet.
Durch Flexibilität erfolgreich
Wir haben mit unseren Produkten
Nischen besetzt, sind flexibel, fertigen sehr individuell
und auch in kleinen Mengen, sagt Christian Weiske. Der
Chemiker führt seit 1993 die Geschäfte der Höpner
Lacke GmbH, einem Unternehmen der Brüder-Unität
Herrnhut. Und er blickt optimistisch in die Zukunft: Wir
haben zurzeit sehr viel Arbeit. Zu Beginn des Jubiläumsjahres
sah es für die Belegschaft nach dem Gegenteil aus: Ein
Exporteur von Möbellacken für Osteuropa ging in
Liquidation. Für uns ein harter Schlag, sagt
Weiske. Denn die Produktion von Möbellacken bildet mengenmäßig
einen Schwerpunkt. Doch es fand sich ein Nachfolger für
diese Firma, der die Geschäftsbeziehungen fortführt.
Kein Wunder, dass Christian Weiske angesichts solcher Turbulenzen
in Ehrfurcht auf die 220-jährige Höpnersche
Firmengeschichte blickt: Ein Geschäft so lange
am Laufen zu halten, ist nicht einfach. Es habe zwei
Weltkriege überlebt und die Mangelwirtschaft des Sozialismus,
in der es Kirchenbetriebe besonders schwer hatten. Tiefe Einschnitte
brachten auch die Jahre des politischen und wirtschaftlichen
Umbruchs nach 1989 mit sich. Die Tonnage sank von 2000 Tonnen/Jahr
auf etwa 300 im Jahr 1994, von ehemals 25 Beschäftigten
blieben zehn. Doch die Situation hat sich stabilisiert: Jetzt
verlassen jährlich etwa 500 Tonnen Lacke und Spezialbeschichtungen
das Werk im Nieskyer Norden.
Ein des Lackkochens kundiger Däne
war es, der dort 1787 mit einem feuerfesten Laboratorium den
Grundstein legte: Peter Birck (1740 bis 1818) war auf
typisch brüderischer Wanderschaft über die Gemeinorte
Christiansfeld und Gnadau nach Niesky gekommen, schreibt
der Historiker Peter Sebald in seinem 1998 erschienenen Band1
der Geschichte von Niesky. Hier übernahm
er einen Eisenladen. Kinderlos und ohne Nachfolger,
bot Birck 1803 das Geschäft der Nieskyer Brüdergemeine
zum Kauf an. Diese erbte nach seinem Tod auch die Lackkocherei.
Privatinitiative gewürdigt
Beide führte die Brüdergemeine
in eigener Regie weiter und würdigte Bircks Verdienste
mit der Firmenbezeichnung Birck & Co. 1884
wurde daraus Höpner & Co, nach Friedrich
Julius Höpner (1830 bis 1892), einem anderen verdienstvollen
Geschäftsleiter, so Peter Sebald. Eine Gepflogenheit
der Brüdergemeine, Privatinitiative der eingesetzten
Firmenleiter oder Pächter zu honorieren. 1895 wechselte
die Firma in den Besitz der Deutschen Brüder-Unität.
Unter Regie von Theodor Höpner (1859 bis 1925) entstanden
1908/09 neue Fabrikgebäude und weitere Einrichtungen.
Seit der Trennung der Betriebsteile lautete die Bezeichnung
Höpner & Co, Lackfabrik.
In den soliden Gebäuden an der Fabrikstraße
wird heute noch produziert. Damit sie den Sicherheitsanforderungen
genügen, wurde in Maschinen und Substanz investiert,
sagt der Geschäftsführer. Im nächsten
Jahr wollen wir im Zuge der Altlastenbeseitigung die ehemalige
Minol-Tankstelle nahe des Bahnüberganges sanieren
mit Hilfe von Steuergeldern. Vor sieben Jahren ging
bereits eine moderne Tankanlage für Lösungsmittel
in Betrieb, Kostenpunkt rund 100000 Euro. Noch einmal 150000
Euro stecken in einem Lager für brennbare Flüssigkeiten,
das in diesem Jahr fertig geworden ist.
Hier hantiert Volkmar Kieschnick mit dem
Gabelstapler. Er hat rund 30 Jahre Firmengeschichte miterlebt
heute eine Besonderheit. Die Fabrik sei mit kurzer
Unterbrechung seit 1974 sein Arbeitsplatz, sagt er: Ein
abwechslungsreicher. Und wünscht sich, dass Höpner
Lacke noch viele Jubiläen feiern kann.