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Artikel der Sächsischen Zeitung  

 

Freitag, 20. Mai 2011

Über 200 Bürger zeigen Gesicht gegen rechte Gewalt


Von Wulf Stibenz

Beim Friedensgebet in der Kirche der Brüdergemeine haben Pfarrer, Politiker, Firmenchefs und Kinder für Menschenwürde, Toleranz und Gastlichkeit gebetet.

Superintendent Dr. Thomas Koppehl beim Friedensgebet in Niesky. Fotot: A. Schiewe

Ein Zeichen setzen. Das wollte der ökumenische Stadtkonvent um Pfarrer Peter Vogt und Superintendent Dr. Thomas Koppehl mit dem Friedensgebet gegen Hass, Gewalt und menschenverachtende Ideologien. Am Montagabend waren über 200 Menschen aus der Region Niesky in der Kirche der Brüdergemeine – und haben damit Gesicht gezeigt. „Wir treten für eine gastfreundliche Oberlausitz ein“, so Vogt. Das Friedensgebet sei nötig geworden, weil sich am Quitzdorfer Stausee ein Zentrum des Rechtsradikalismus entwickle. Gegen Gewalt und Frendenfeindlichkeit „setzen wir heute ein friedliches, aber entschiedenes Nein“, so Vogt. Dass hier Kirchenvertreter, Politiker und Bürger zahlreich versammelt seien, zeige: „Wir sind nicht allein.“

Einer der bewegendsten Augenblicke der gut einstündigen kirchlichen Aktion gegen die geplante Großveranstaltung (Pressefest der „Deutschen Stimme“) war das Gebet eines kleinen Jungen: Diese Leute sollen erkennen, dass sie falsch lägen – und umkehren. Für Superintendent Koppehl ist es zudem ein Recht der Menschen in der Region, dass die Niederschlesische Oberlausitz nicht mit rechten Ideologien und Gewalt in Verbindung gebracht wird, „die andere Menschen einschüchtert“. Das gehe nicht nur Christen an, das betreffe jeden Bürger. Auf Grundlage der Menschenrechte gehe man deshalb friedlich, aber nicht mit einer Demonstration dagegen vor. „Ich hoffe, dass unsere Kinder und Jugendlichen die Kraft haben, sich nicht von gewalttätigen Ideologien beeinflussen zu lassen“, sagte Koppehl in seinem persönlichen Gebet.

Anfang Juni hatte der ökumenische Stadtkonvent zum Friedensgebet aufgerufen. Denn tatenlos, so der Superintendent, könnten Gewalt, Hass und Menschenverachtung nicht hingenommen werden. Genau das sei aber – so der Tenor der Veranstaltung – das Problem: Die Vergessenen, die Gescheiterten und Einsamen fänden über Parolen zur menschenverachtenden Gesinnung. Deshalb müsse man sich für alle Menschen öffnen, nicht nur auf das eigene Wohlergehen achten und aktiv werden. Mit der friedlichen Aktion in Niesky verbinde man deshalb die Hoffnung: Das Gebet ist nicht das Ende, sondern der Anfang eines friedlichen Protests.