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Artikel der Sächsischen Zeitung  

 

Donnerstag, 24. Sept. 2009


In dieser Schlüsselszene des Stückes tauft Georg Schmidt in seiner Missionstätigkeit einen Südafrikaner. Foto: Ullmann

Kinder spielen in Niesky "Hottentotten"
Von Ullrich Martin

Die Evangelische Brüdergemeine Niesky feiert Georg Schmidt am 27. September mit einer Reihe von festlichen Veranstaltungen. Anlass ist der 300. Geburtstag des Missionars, der 1737 nach Südafrika ausreiste und sieben Jahre unter dem Volk der Khoi-Khoi (Hottentotten) lebte und arbeitete. Georg Schmidt fand seinen festen Wohnsitz 1752 in Niesky. 32 Jahre später starb er, sein Grab befindet sich auf dem Gottesacker.

Spielerische Szenen

15 Mitwirkende im Alter von drei bis 15 Jahren vom Kinderkreis der Brüdergemeine spielen acht Szenen aus dem bewegten Leben von Georg Schmidt. Spielleiterin Erdmute Frank schrieb die Texte und gestaltete insgesamt 27 Rollen. Schon nach den ersten Proben bestätigt sie: „Die Kinder sind mit Begeisterung dabei.“ Höhepunkt des Spiels ist unter anderem die Szene der Berufung, als ein Brief aus Holland in Herrnhut eintrifft, und es darin heißt: „Am Kap der Guten Hoffnung brauchen wir jemanden, der sich um die Siedler und die Eingeborenen kümmert sowie Schulunterricht und Gottesdienste hält.“

Die Wahl des Ältestenrates fiel auf Georg Schmidt. Oder die Taufszene, als Schmidt 1742 an einem Fluss fünf Hottentotten taufte. Heute noch steht im von dem Missionar gegründeten Ort Genadendal ein Gedenkstein mit der Inschrift: „Die Erstlinge getauft durch Georg Schmidt Josua, Christian, Magdalena, Jonas, Christina“.

Maximilian spielt Schmidt

Die Rolle des Georg Schmidt spielt der 14-jährige Maximilian Banda. „Man muss schon versuchen, sich in dieses spannende Leben hineinzuversetzen. Sein Glaube an Gott, diese Hingabe, der Mut, das imponiert.“

Peter Vogt, Pfarrer der Brüdergemeine Niesky, sieht mit der Festveranstaltung um Georg Schmidt „eine gute Gelegenheit, als internationale Kirche unsere geschwisterliche Verbindung nach Südafrika neu zu entdecken und damit weiter zu vertiefen. Deshalb erwarten wir auch den südafrikanischen Botschafter in Deutschland, Gäste aus der einstigen Wirkungsstätte von Georg Schmidt und aus seinem Geburtsort in Mähren“.

Wie tief der Herrnhuter Missionar noch heute am Kap verehrt wird, zeigt, dass Nelson Mandela als Präsident Genadendal besuchte und daraufhin seine eigene Residenz in „Genadendal“ umbenannte.



Aus dem Leben von Georg Schmidt

Geboren am 30. September 1709 in Kunewalde (Mähren), erlernte Schmidt das Fleischerhandwerk, kam 1727 ins katholische Herrnhut und wurde wegen unerlaubter Reise zu evangelischen Glaubensbrüdern zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt.

1737 begründet er als erster Herrnhuter die Missionsarbeit in Südafrika, wurde 1744 nach einem Konflikt von der holländischen Obrigkeit ausgewiesen, weil er fünf Hottentotten taufte.

1746 heiratete Schmidt. Das Paar lebte ab 1752 in Niesky und baute sich ein Zuhause in der heutigen Poststraße 8.

Am 2. August 1785 starb er in Niesky.